
Herrichs Traud wurde sie genannt und um die 70 Jahre alt war sie schon, was vor 400 Jahren sicher nicht allzu oft vorkam.
Am ersten Augustsonntag führte Bernd Walter seine 100. Wanderung auf eine neue, noch nicht offiziell eröffnete Traumschleife bei Grimburg: Herrichs Traud Hexenweg.
Großteils auf Waldpfaden und Naturwegen ging es ab dem Sportplatz Grimburg abwechslungsreich über die Höhen beidseitig des Wadrilltals. Die rund 15 km lange Wanderung bot immer wieder schöne Ausblicke, wenn auch auf einem ganzen Stück vor dem Abstieg zur Wadrill massiv abgeholzt worden war – vor allem Birken, warum auch immer. Bei der Grimburg war Mittagspause, erfreulicherweise war dort auch der Kiosk geöffnet. Die Brücke, die Burg und der Turm waren allerdings abgesperrt. Nach gut einer weiteren Stunde konnten die Wandersleute schon Kaffee, kühle Getränke und Kuchen im Dorftreff in Grimburg genießen.
Die neue Traumschleife folgt den Spuren der Krämersfrau Herrichs Traud, die 1626 der Hexerei bezichtigt wurde und über die auf der Grimburg das Urteil gefällt wurde.
Hierzu schreibt die Rheinzeitung im November 2017: „Grimburger Museum dokumentiert den Hexenwahn im Hochwald - Die traurige Geschichte von Herrichs Traud.
Grimburg: Die Krämersfrau Herrichs Traud aus Niederkell fleht ihre Peiniger bei der hochnotpeinlichen Befragung im Hexenprozess auf der Grimburg vergeblich an, ihr zu glauben, dass sie nicht zaubern könne. 1626 wird sie dennoch lebendig verbrannt. Der ungefähr 70-Jährigen wird sogar die „Gnade“ des vorherigen Strangulierens verwehrt. Ihr bewegendes Schicksal steht im Mittelpunkt eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, die in einem ehemaligen Bauernhaus gegenüber der Kirche im Grimburger Burgen- und Hexenmuseum aufgearbeitet ist.“
Im Internet findet sich auch eine sehr ausführliche Recherche: Unter dittmar-lauer.de , Stichwort „Hexe“. „Das war auch mitten im Dreißigjährigen Krieg“, sagte Wanderführer Bernd Walter. „Und dann hatte man nichts Besseres zu tun, als Frauen wie Herrichs Traud als Hexe zu verbrennen.“
Hier noch Auszüge aus dem Bericht von Heimatforscher Dittmar Lauer, der bis 2011 der Vorsitzende des Fördervereins Burg Grimburg war:
„Gertrud oder Herrichs Traud, die Krämerin, ist am 21. Februar 1626 auf dem Manderner Hochgericht verbrannt worden. Sie dürfte an die siebzig Jahre alt gewesen sein. Zeit ihres Lebens haftete ihr der Geruch von Hexerei und Zauberei an. Dreißig Jahre vor ihrem Tod hatte man sie bereits einem Verfahren unterzogen, sie als Angeklagte in die Folter gestellt. Wegen einer Schwangerschaft ist sie aber frei und ledig gelassen worden. Von den etwa 300 bekannten Hexenprozessen im Hochwaldraum dürfte der gegen Herrichs Traud aus Niederkell wohl der einzige sein, der in beiden sogenannten Trierer Verfolgungswellen (1580-1600 und 1625-1630) fußt, in denen sich die Aburteilung und Hinrichtung vermuteter Hexen und Hexenmeister auf dramatische Weise verdichtet.“
Es wurden fünf Zeugen gefunden, die alle auf ganz unterschiedliche Art die abstrusen Vorwürfe der Hexerei bestätigten. Traud versuchte zu fliehen und wurde dabei von ihren beiden Söhnen Johannes und Cuno sowie der Tochter Eva unterstützt. Schließlich befürchteten sie auch den wirtschaftlichen Ruin der Familie. Allein Trauds Tochter Barbel war der Ansicht, es sei ja besser „zeitig, als ewig zu verderben“.
Sie wurde wieder ergriffen, zwei Wochen lang im „Hexenturm“ der Burg Grimburg eingesperrt und gestand schließlich unter der Folter, was immer sie gestehen sollte. Unter anderem nannte sie 14 Namen angeblicher Komplizen, die später teilweise auch verurteilt und umgebracht wurden.
Dittmar Lauer weiter: „In den folgenden vier Jahren sind weitere achtzehn Personen aus dem Schillinger Kirchspiel – Schillingen, Kell, Waldweiler, Mandern, Niederkell, Heddert und Heid – wegen Hexerei hingerichtet worden, darunter neben den bereits genannten drei weitere Personen, die in dem Prozess gegen Herrichs Traud eine Rolle spielten, so auch ihr Sohn Cuno, ihre Nichte Schäfer Anna und die Frau eines Mitgliedes des Hexenausschusses.
Im Dezember 1630 endet im Hochwaldraum die unglaubliche Verfolgung von Frauen und Männern als vermeintliche Hexen und Hexenmeister. Der letzte Hexenprozess wird Ende 1630 inszeniert: Am 16. Dezember 1630 wird in Schillingen die Schwiegermutter des domkapitularischen Schultheißen, Maria Sallen, verbrannt.“
Warum die Hexenverbrennungen daraufhin enden? Dazu findet Dittmar Lauer zwei Theorien, und beide – Überraschung! –, haben mit Geld zu tun. So gibt es eine Nachricht des Trierer Dompropstes Hausmann von Namedy an den kaiserlichen Beichtvater Lamormain Ende des Jahres 1629: Er kam auf die schlaue Idee, die zahlreichen Hexen neuerdings nicht mehr zu verbrennen, sondern sie mit einer Geldbuße zu belegen.
Es gab aber auch im Februar 1630 einen kurfürstlichen Erlass, mit dem Philipp Christoph von Sötern die in die Höhe getriebenen Kosten auf ein „erträgliches und billiges Maß“ setzen wollte und anordnete, der dörfliche Hexenausschuss dürfe der peinlichen Befragung künftig nicht mehr beiwohnen.
Was soll man dazu noch sagen… Gier regiert, damals wie heute.
Informationen von Bernd Walter, Textbearbeitung von Dorothee Quaré, Fotos ebenso sowie von Michaela Pick.